Wenn die 2,6 Milliarden Christinnen und Christen weltweit ernst nehmen würden, was „Bewahrung der Schöpfung“ bedeutet, hätten Klimaschutz, Artenschutz und nachhaltiges Wirtschaften einen höheren Stellenwert. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Wissen um die Krisen nicht ausreicht, um nachhaltig tätig zu werden, sonst würde viel mehr geschehen. Es braucht neue Narrative, um auch Emotionen anzusprechen und Motivation zu erzeugen. Dabei kann der Rekurs auf biblische Texte hilfreich sein: Mehrere Texte der christlichen Bibel sprechen und singen staunend von Gottes wunderbarer Welt – und sehr differenziert von der Rolle der Menschen darin.
Die Teilnehmer*innen am innovativen Lehrprojekt in Form eines Blockseminars haben sich biblische Texte über die Schöpfung mit exegetischen Methoden erarbeitet. Sie sind dabei auf ethische Herausforderungen gestoßen und haben affektive Berührungspunkte und Motivationen für das Verhalten im Diskurs erprobt. Sie haben Kernbotschaften identifiziert und formuliert. Von da ging der Weg unter Anleitung zweier Medien-Experten hin zu medial vermittelbaren Formen und Narrationen: kurze Radiobeiträge, Instagram-Posts, Web-Artikel oder Beiträge für die Kirchenzeitung. Diese Beiträge sollen verschiedene Zielgruppen ansprechen und motivieren, die eigene Haltung zum Schutz der Mitwelt sowie das eigene Verhalten (Konsum, Reisen, Ernährung) zu überdenken. Die biblische Botschaft ist dabei nicht als Norm oder Doktrin aufzufassen, sondern als Impulsgeber für eigene Überlegungen und Geschichten, die Zuhörende emotional und intellektuell abholen und wiederum selbst ins Nach- und Vorausdenken bringen.
Die Online-Auftaktsitzung (7.4.2026, 15-17 Uhr) hat die Teilnehmenden mit dem Konzept vertraut gemacht. Erste Texte sowie Arbeitsaufgaben sind verteilt worden.
Tobias Sauer (ruach.jetzt) hat in Trier (8./9. Mai 2026) die Studierenden (und auch die Lehrenden) mit heutigen Kommunikationsbedingungen vertraut gemacht. Herkömmliche Kanäle und Sprechweisen werden die Menschen immer weniger erreichen. Verkündigung im besten Sinne muss ihre Formen und Sprache dynamisch aktualisieren.
Die Studierenden haben dann zwischen den beiden Blocksitzungen exegetisch an ihrem Text gearbeitet und einen ersten Entwurf eines Medienbeitrags geschrieben und eingereicht.
Beim Blocktermin in Mainz (19./20. Juni 2026) hat Beate Hirt, Senderbeauftragte der katholischen Bistümer beim Hessischen Rundfunk, die konkreten Bedingungen von Verkündigung im Radio erläutert und praktisch vorgeführt. Der Gedanke, dass mit Radiosendungen eine um ein Vielfaches höhere Zahl von Menschen erreicht werden kann, wirkt motivierend, und es ist gut und wichtig, dass auch die christlichen Kirchen in diesem Medium ihre Stimme erheben dürfen. Zugleich müssen aber aus dem kirchlichen Kontext (Gottesdienste) vertraute Wege verlassen werden: Die Studierenden müssen nach anderen Formulierungen und Gestaltungsweisen suchen, um die Botschaft neu hörbar zu machen. Die ersten Entwürfe der Studierenden wurden in intensiven Gesprächen in der Gruppe und im Einzelcoaching stetig verbessert. Einige Beiträge konnten so weit gebracht werden, dass Audiofiles aufgenommen wurden. Diese Produkte werden auf dieser Seite mit Einverständnis der Studierenden nach und nach veröffentlicht.
Lobpreislieder und Psalmen mahnen zu mehr Schutz der Mitwelt
Artensterben bedroht den Lobpreis Gottes
Fetzige Melodien, leichte Inhalte – so klingt es im Radio, aber auch in Kirchen und Gottesdiensten. Viele singen gern die neuen so genannten „Lobpreislieder“. Es ist doch ein gutes Gefühl, mit beschwingter Musik Gott zu loben und zu preisen.
Aber braucht Gott überhaupt meinen Lobpreis? Nein.
Gott braucht den Lobpreis der Menschen nicht. Vor fast 2000 Jahren hat das der Apostel Paulus den Leuten in Athen so gesagt: Der Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. 25 Er lässt sich auch nicht von Menschenhänden dienen, als ob er etwas brauche, er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt (Apg 17,24–25). Soweit Paulus – und ich meine, er hat recht.
In den Psalmen der Bibel finde ich Ähnliches, etwas indirekt. Unter den Psalmen gibt es viele Lieder, die Gott loben. Eines ist der Psalm 148. Darin heißt es: „Lobt Gott, Sonne und Mond, lobt Gott, all ihr leuchtenden Sterne … Lobt Gott, ihr Tiere alle, wilde und zahme, ihr Kriechtiere und ihr Vögel mit Federn“. Ja, die Himmelskörper Sonne, Mond und Sterne, und auf der Erde Feuer, Hagel, Schnee und Nebel, Berge und Hügel, alle Bäume und alle Tiere – sie sollen Gott loben. Da kommt es gar nicht mehr darauf an, ob auch noch ein paar Menschen Gott preisen. Dreißig Wesen werden in dem Psalm genannt, die Gott preisen – und nur acht davon sind Menschen. So groß ist das Lob Gottes durch die Welt und die Natur.
Der Psalm ist so schön, ich könnte ihn weiterdichten. Lobt Gott, ihr Tiere, wilde und zahme, ihr Feldhasen und Fledermäuse, ihr Feuersalamander und ihr afrikanischen Elefanten, lobt Gott, ihr Orang-Utans auf Borneo und ihr Nordkaper-Wale im Atlantik … Doch da habe ich ein paar Tierarten genannt, die auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen. Wenn diese Tierarten durch das brutale Wirtschaften der Menschen aussterben – dann fehlen sie im Lobpreis Gottes! Dann hat der Psalm ein Loch. Und die ganze Welt gerät in Schieflage.
Die Loblieder der Bibel, die Psalmen, kannten noch kein Artensterben – aber heute ist es grausame Realität. So erinnern und ermahnen mich die Psalmen zu einem schonenderen Lebensstil, zu mehr Nachhaltigkeit. Will ich Psalm 148 von Herzen singen, muss ich mich für den Schutz der Arten einsetzen. Jede Art, die verschwindet, bedroht den Lobpreis Gottes. Für mich gehört deswegen beides eng zusammen: Gott für die Schöpfung lobsingen – und mich für den Schutz der Tier- und Pflanzenarten einsetzen. Einige Beispiele: Ich denke genau nach, was ich kaufe und wie ich mich ernähre, ich bin Mitglied im Bund Naturschutz und bei Greenpeace, ich sammle manchmal Müll und Zigarettenkippen ein … Es gibt viel zu tun, wahrhaftig.
Der Mensch denkt. Die Welt zahlt. Wenn wir heute auf unsere Welt schauen, wirkt vieles selbstverständlich.
Ich stehe morgens auf, frühstücke leckeres Essen und trinke sauberes Wasser. Danach bin ich gerne im Garten. Gegen Abend fahre ich mit dem Auto an einen nahgelegenen Fluss. Dort grille ich mit Freunden. Ich nutze Ressourcen, verändere die Natur und die Landschaft. Oft wirkt es gerade so, als ob die Welt einfach dafür da wäre, von mir genutzt zu werden. Ich gestalte die Welt nach meinen Bedürfnissen, damit mein Leben einfacher und angenehmer wird. Ich freue mich über die Straßen, über die ich mit dem Auto fahre. Über den begradigten Fluss, über den ich mit dem Boot fahren kann. Und auch über das frische Trinkwasser, was direkt über die Leitung in meine Wohnung gelangt.
Aber ist das eigentlich in Ordnung? Also, dass ich – wie die meisten Menschen – so in die Welt eingreife und sie nach meinen Vorstellungen verändere und ausnutze? Die Bibel eröffnet eine andere Perspektive: Dort stehen nicht der Mensch und seine Veränderungen im Mittelpunkt. Sondern der siebte Tag. Ein Tag der Vollendung und Ruhe. Die Welt muss und darf nicht ständig optimiert und kontrolliert werden. Sie darf einfach sein. „Gott vollendete am siebten Tag sein Werk“ (Gen 2,2). Die Welt wurde nicht geschaffen, um von den Menschen als Objekt verstanden und ständig verändert zu werden. Sie wurde in jeder ihrer Formen eigenständig geschaffen. Land, Wasser, Tiere, Tag und Nacht – alles wurde in Perfektion geschaffen. Diese Schöpfung wurde nicht ausschließlich für den Menschen, sondern mit dem Menschen geschaffen. Sie ist nicht Objekt für das Subjekt Mensch. Stattdessen ist alles Subjekt. Alles hat seinen eigenen Wert.
In der heutigen Welt wird dieser Gedanke immer wichtiger. Wälder verschwinden, Meere werden verschmutzt, Tiere sind zu Produkten geworden. Alles scheint verfügbar, alles scheint formbar, für den Menschen optimierbar. Höher, schneller, effizienter – als müsste die von Gott geschaffene Schöpfung perfektioniert werden. Aber genau damit verlieren wir den Blick für die Welt und betrachten alles aus den Augen des Menschen. Und genau das macht die Welt nicht besser, sondern schlechter.
Die Bibel erzählt von einer Welt, die schon gut war, bevor der Mensch begonnen hat, sie zu verändern. Vielleicht bedeutet Verantwortung deshalb nicht, alles zu beherrschen und zu verändern, sondern Grenzen auszuhalten. Nicht immer einzugreifen. Die gesamte Schöpfung als Subjekt anzuerkennen.
Unsere Welt heute braucht genau das: Weniger Einmischung und mehr Verantwortung. Den Mut, die Schöpfung nicht zu benutzen, sondern zu bewahren.
In Zukunft möchte auch ich bewusster auf die Welt achten. Öfter mal die Perspektive wechseln. Bewusster wahrnehmen, wo ich selbst die Welt verändere. Und auch lernen, diese Veränderungen zu verringern. Dazu gehört es für mich nun auch, einmal mehr das Auto stehen zu lassen und zu Fuß zu gehen. Auch den Fluss möchte ich in Zukunft bewusster wahrnehmen. Statt einen Grillabend mit Bootstour werde ich für den nächsten gemeinsamen Abend ein Projekt zur Pflege des Flussufers vorschlagen. Ich ändere mein Denken und übernehme mehr Verantwortung – damit meine Mitwelt nicht mehr einen so hohen Preis zahlt.
Radiobeiträge zu Bibel und Schöpfung im Hessischen Rundfunk
Beate Hirt hat die Lehrenden und Studierenden beim Seminar „Bibel auf Sendung“ mit ihrer jahrzehntelangen Expertise in der Radioarbeit unterstützt. Sie hat die Textentwürfe detailliert redigiert und verbessert und dabei zahlreiche Hinweise für die heutigen Bedingungen der Verkündigung im Radio gegeben.
Schließlich hat sie eine Liste von Radiobeiträgen im Hessischen Rundfunk (hr) zusammengestellt, die sich mit dem Thema „Bibel und Schöpfung“ befassen. Diese Liste kann hier heruntergeladen werden, und von dieser Liste aus kann man direkt auf die Beiträge auf der Seite „kirche-im-hr.de“ weiterklicken.